Ursprung Tee

Lu Yu (733- 804) - der Teeweise oder auch Gott des Tees (Cha Sheng )

Im Alter von drei Jahren wurde er vom Mönch Zhiji adoptiert. Der Legende nach wurde er als Findelkind von Zhiji am Ufer eines Flusses gefunden. Er wuchs im buddhistischen Kloster von Jingling, dem heutigen Tianmen in der Provinz Hubei auf. Im Kloster lernte er die Teezubereitung, da Tee im Kloster als Meditationshilfe geschätzt wurde. Zein Ziehvater wollte ihn als buddhistischen Mönch ordinieren. Lu Yu wollte jedoch den konfuzianischen Idealen gerecht werde, die in starkem Widerspruch zum Buddhismus standen. Ein zentraler Pfeiler des Konfuzianismus ist die kindliche Pietät – demgemäss zeugt es von grösster Respektlosigkeit gegenüber den Ahnen, keine Nachkommen zu zeugen. Die zölibatäre Lebensweise stand also im direkten Widerspruch zum Konfuzianismus, so dass Lu Yu im Alter von 13 J aus dem Tempel floh und sich einer Schaustellertruppe anschloss. In dieser Zeit schrieb er viele Schauspielstücke, blieb aber Zeit seines Lebens in Kontakt mit den buddhistischen Gelehrten. Sein schriftstellerisches Talent wurde entdeckt und gefördert durch den Präfekten von Jingling, Li Qiwu (gest. 762), als Lu etwa 14 Jahre alt war. Gegen 755 brach die An-Lushan-Rebellion in China aus und Lu Yu floh nach Wuxing, wo er sich weiter aufhielt und dem Tee und der Schriftstellerei widmen konnte. Ab etwa 759 bereiste er die Regionen um Yangzhou und Zhenjiang , untersuchte dort das Wasser verschiedener Quellen im Hinblick auf seine Eignung zur Teezubereitung.
760 zog sich Lu Yu in die Berge um Huzhou zurück, wo er sich am Ufer des Flusses Tiaoxi eine Hütte baute. Er begann mit der Niederschrift des Chá Jīng und anderer, heute verlorener Werke. In seiner Autobiographie stilisiert er sich als Gelehrter in einfacher Kleidung, der seine Tage im Gespräch mit bedeutenden Mönchen und Gelehrten zubrachte.
Er schloss Freundschaft mit den Dichtern Huangfu Ran (714–767) und dessen Bruder Huangfu Zeng (gest. um 785), die zu den bedeutendsten Dichtern jener Zeit zählten. Beide widmeten ihm Gedichte,die in den Dreihundert Tang Gedichten überliefert sind.
Für Lu Yu symbolisierte der Tee die Harmonie und die geheimnisvolle Einheit des Universums. Er verlieh dem‚ Ch’a Ching‘ jene Idee, die das religiöse Denken seiner Zeit prägte – sei es im Buddhismus, im Taoismus oder im Konfuzianismus:
Im Besonderen einen Ausdruck des Allgemeinen zu sehen.
Sein Werk Chajing (茶經 / 茶经, chá jīng – „Das Buch vom Tee“, veröffentlicht 780) ist ein Klassiker der chinesischen Literatur und ein grundlegendes Werk zur Chinesischen Teekultur. Schon kurz nach seinem Tod wurde er als „Gott des Tees“ (茶神, Chá Shén) verehrt.
Lu Yu Chajing = Buch vom Tee (760 n.u.Z.)
;übersetzt von Okakura Kokuzo (japan.Teemeister 1862-1913)
Die 1. Tasse netzt Lippen und Kehle
Die 2. Tasse verscheucht meine Einsamkeit
Die 3. Tasse durchdringt mein Inneres, um darin nichts als 5.000 wunderame Ideogramme zu finden
Die 4. Tasse erregt leichten Schweiss, alles Unangenehme des Lebens schwindet durch meine Poren dahin
Bei der 5. Tasse bin ich ruhig und klar
Die 6. Tasse ruft mich ins Reich des Unvergänglichem
Die 7. Tasse - ah , ich kann nicht weitertrinken. Ich fühle nur den kühlen Windhauch, der sich in meinen Ärmeln fängt.
Der Geist – wo liegt er? Lasst mich mit diesem Windhauch segeln und dorthin schweben.
Baizhang Huaihai (japan. Ekai 720 - 814) – ein Mönch des Chan Buddhismus
Nachfolger von Mazu (japan. Baso) – seine Nachfolger Huangpo und Linji
Aus den „Klosterregeln des Baizhang“ (Baizhang Qinggui) geht hervor, dass Mönche während der Tang-Dynastie üblicherweise das Ritual der Tee- und Heißwasseropferung praktizierten. Dabei handelte es sich um eine Zeremonie, bei der den Patriarchen Tee und heißes Wasser dargebracht wurden.
Bei solchen Anlässen versammelte sich die Gemeinschaft, um Dharma-Vorträge zu hören und über Zen-Prinzipien zu diskutieren. Das Ritual wurde mit großer Feierlichkeit und Würde abgehalten, und die Teilnahme der Klostergemeinschaft war obligatorisch. In Band 7 der Klosterregeln von Baizhang heißt es: „Wo Tee serviert wird, darf man nach dem Einnehmen des Sitzplatzes die Robe nicht ausschütteln, darf sich nicht lachend und redend zusammenkauern, darf andere nicht nur mit einer Hand grüßen und darf keine Teereste von Teepulver verstecken.“

Baizhang
Baizhang formulierte folgende Teeregeln:
- Einladung zum Tee (Trà thang trạng): formelle Einladungskarte, mit der Mönche und Laien – höflich gebeten werden, sich in der Teestube zu versammeln, um am Tee- und Heißwasser-Opferritual teilzunehmen.
- Teankündigungstafel (Trà thang bảng): Eine Holztafel, die vor der Mönchshalle aufgehängt wird um über den Zeitpunkt der Tee- Versammlung zu informieren. Das Schlagen auf die Tafel symbolisiert die Einladung an der Zen-Teeveranstaltung teilzunehmen.
- Tee-Ritualtrommel (Trà thang cổ): Eine Trommel, die bei Opferzeremonien für die Buddhas und Patriarchen verwendet wird und die Gemeinschaft zur Teilnahme am Ritual aufruft.
- Teemeister (Trà thang đầu): Person, die im Kloster für Tee und heißes Wasser zuständig ist, der Darbietungen an die Buddhas und Patriarchen sowie des Tee-Servierens für Obermönch, Abt und alle Gäste.
- Assistenten des Teemeisters (Trà thang đầu hành giả): Novizen in der Ausbildung, die den Teemeistern zur Seite stehen
Die Anfänge des Teetrinkens in Japan - während der Tang Dynastie in China (618 -907)

Kukai
Die erste Erwähnung von Tee in Japan findet sich in Aufzeichnungen aus der Nara-Zeit (646–794). Es ist anzunehmen, dass Tee bereits zu dieser Zeit genossen wurde. Zu Beginn der Heian-Zeit in Japan (794–1185) reisten die buddhistischen Mönche Saichō (767–822) und Kūkai (774–835) zum Studium nach China und brachten Teeblätter und Samen nach Japan mit, wo Tee um das Jahr 805 am Hof bald an Beliebtheit gewann.
Es wird angenommen, dass der Teeanbau in Japan etwa zu dieser Zeit begann. In dieser Zeit wurden die Teeblätter zu einem harten Block gepresst, der als „Dancha“ (Ziegeltee) bekannt war. Dancha wurde zubereitet, indem man Teeblätter vom Block in kochendes Wasser kratzte, wie es im Buch „Ch’a Ching“ vorgeschrieben war. Nach einigen Jahren verlor Dancha in Japan an Beliebtheit.

Klage des Kaiser Saga um Saicho nach dessen Tod

Gemäss historischen Textbuch „Nihon koki“ und der Gechichte des Chanoyu stammt die früheste offizielle Erwähnung von Tee aus dem Jahr 815 n. Chr., als Kaiser Saga den Sûfukuji-Tempel in der Provinz Ōmi besuchte.
Der Abt Eichū (743 -816) bereitete dem Kaiser nach einer buddhistischen Zeremonie persönlich Tee zu. Saga war so angetan, dass er den Mönch mit einer zeremoniellen Robe belohnte.
Im Anschluss an dieses Ereignis begann der Teeanbau in der Nähe des Berges Hiei, und das Teetrinken verbreitete sich unter Adligen und Mönchen. Erwähnenswert ist: Kukai hatte engere Kontakte zu dem Kaiser Saga – vermutlich kamen durch gemeinsames Tee-Trinken immer wieder zusammen.
Die zweite Einführung des Tees in Japan - während der Song Dynastie in China (960 - 1279)
Zu Beginn der Kamakura-Zeit (1191) kehrte Eisai (1141–1215), der Mönch, der in Japan die Rinzai-Zen-Schule begründete, von einer Pilgerreise nach China zurück. Eisai brachte Teesamen aus China mit, die zunächst auf Kyushu angepflanzt wurden. Später überreichte er die Samen dem hochrangigen Mönch Myoe (1173 -1232), der sie in seinem Tempel Kozanji in Tagano-o, einer ehemaligen Stadt im Nordwesten von Kyoto, anpflanzte.
Zusammen mit den Teesamen führte Eisai die Zubereitungsart nach Sung-Art ein: Teeblätter wurden zu Pulver gemahlen und mit heißem Wasser übergossen, um ein Getränk herzustellen. Diese pulverförmige Teeform wurde nicht nur wegen ihrer medizinischen Eigenschaften konsumiert, sondern diente den Priestern auch dazu, während langer Meditationsphasen wach zu bleiben. Um die zahlreichen Vorzüge des Tees sowie dessen Anbau, Zubereitung und Genuss zu erläutern, verfasste Eisai ein Buch mit dem Titel „Kissa Yojo Ki“, das als das erste bekannte Buch über Tee in Japan gilt.

Eisai
Der Ursprung des Ujicha
Während in China der Konsum von pulverisiertem Tee während der Unruhen der mongolischen Invasion zum Erliegen kam, erlebte der Tee in Japan eine Renaissance.
Der Mönch Myoe (1173–1232) begann im Nordwesten von Kyoto mit dem Anbau von Tee, kam jedoch zu dem Schluss, dass die Teebäume ein geeigneteres Klima benötigten. Schließlich entschied er sich für ein nebelverhangenes Dorf namens Uji im Süden von Kyoto. Der an den Ufern des Uji-Flusses angebaute Tee wird Uji-cha genannt und profitierte von dem fruchtbaren Boden und dem hochwertigen Wasser der Region. Bald wurde Uji, das als das bedeutendste Teeanbaugebiet Japans galt, für seinen Uji-cha von höchster Qualität bekannt.

Myoe
Schließlich ließ der Shogun Ashikaga Yoshimitsu (1358–1408), der den berühmten Goldenen Pavillon (Kinkakuji, 1397) errichten ließ, sechs Teeplantagen anlegen, um sich mit Tee für seinen persönlichen Bedarf und für die aufwendigen Teezusammenkünfte zu versorgen, die er regelmäßig veranstaltete.
Diese sechs Plantagen wurden „Uji Rokuen“ genannt, also die sechs Teegärten von Uji.
Etwa zu dieser Zeit erfuhr auch der Teeanbau in Uji einen Wandel. Man begann damit, junge Teeknospen abzudecken, um ihren Geschmack zu verbessern, und durch sorgfältige Verarbeitung wurde die Qualität des Tees stetig gesteigert.
Ähnlich wie Shogun Yoshimitsu (1358–1408) unterstützten auch spätere Shogune wie Toyotomi Hideyoshi (1536–1598) die Teeproduzenten in Uji.
Später veranstalteten die Tokugawa-Shogune ein Fest namens „Chatsubo-Dochu“, bei dem große, verzierte Teekrüge (Chatsubo), die mit frisch geerntetem Tee gefüllt waren, in einer Parade von Uji zum Wohnsitz des Shoguns getragen wurden.

Goldener Pavillon Kyoto -
Symbol für die Sonne
Matcha und Chanoyu
Das Herzstück des Chanoyu besteht darin, dass Matcha nach festgelegten Regeln, in einer bestimmten Reihenfolge und unter Verwendung spezieller Utensilien zubereitet wird. Ursprünglich wurde Matcha von Tempelpriestern nach einfachen Regeln zubereitet. In jeder historischen Epoche erfuhr die Teekunst zahlreiche Veränderungen, die von den jeweiligen Shogunen und den führenden Teemeistern der Zeit vorangetrieben wurden; dies spiegelte sich in der Art der verwendeten Utensilien wider sowie darin, ob der Tee schlicht oder aufwendig genossen wurde.
Zu einer Zeit dominierten chinesische Utensilien das Chanoyu, ebenso wie Tee-Verkostungswettbewerbe, bei denen die Teilnehmer sehr wertvolle Preise gewinnen konnten, wenn sie Uji-Tee von anderen Tees minderer Qualität unterscheiden konnten.
Tee wurde meist von der Shogun-Klasse in sehr großen Räumen genossen, die mit teuren chinesischen Utensilien geschmückt waren.
In der Muromachi-Zeit (1392–1568) schlug das Chanoyu jedoch unter dem Einfluss der beiden Teemeister Murata Shuko (1423–1502) und Takeno Joo (1502–1555) eine neue Richtung ein. Sie führten eine Tee-Hütte ein, die aus einem etwa 6 x 6 Fuß großen Teeraum mit einem angeschlossenen Vorbereitungsraum bestand. Shuko und Joo verzichteten auf teure chinesische Gefäße und Kunstwerke und konzentrierten sich in ihrem Chanoyu-Stil auf japanisches Geschirr. Die Bemühungen dieser beiden Teemeister führten dazu, dass das Teetrinken unter den Menschen der Kaufmanns- und Nicht-Shogun-Klasse zunehmend an Beliebtheit gewann.
Doch wer war der Lehrer von Murata Shuko ?

„Lerne die Liebesbriefe zu lesen, die der Wind und der Regen,der Schnee und der Mond dir schicken.“ - Ikkyu -
Ikkyū wurde 1394 in einem kleinen Vorort von Kyoto geboren. Es wird allgemein angenommen, dass er der Sohn von Kaiser Go-Komatsu und einer niederen Hofadligen war. Seine Mutter war gezwungen, nach Saga zu fliehen, wo Ikkyū von Bediensteten aufgezogen wurde. Im Alter von fünf Jahren wurde Ikkyū von seiner Mutter getrennt und als Novize in einen Rinzai-Zen-Tempel in Kyoto namens Ankoku-ji aufgenommen.] Die Tempelmeister unterrichteten im Rahmen des Lehrplans chinesische Kultur und Sprache – eine Methode, die als Gozan-Zen bezeichnet wird. Er erhielt den Namen Shuken und lernte chinesische Dichtung, Kunst und Literatur kennen.
Als Ikkyū dreizehn Jahre alt wurde, trat er in den Kennin-ji in Kyoto ein, um unter einem bekannten Priester namens Botetsu Zen zu studieren. Hier begann Ikkyū, regelmäßig Gedichte zu verfassen, die in ihrer Form unkonventionell waren. In seinen Gedichten äußerte er offene Kritik an der Leitung des Kennin-ji, da er von der sozialen Schichtung und dem Mangel an Zazen-Praxis, den er um sich herum beobachtete, enttäuscht war.
Im Jahr 1410, im Alter von sechzehn Jahren, verließ Ikkyū den Kennin-ji und trat in den Tempel Mibu-dera ein, wo ein Abt namens Seiso residierte. Er blieb dort nicht lange und fand sich bald im Saikin-ji in der Region des Biwa-Sees wieder, wo er der einzige Schüler eines Abts namens Ken’o war. Es schien, als habe Ikkyū endlich einen Meister gefunden, der das wahre Rinzai-Zen lehrte, wie Ikkyū es sah. Ken’o unterrichtete eher sporadisch und war ein überzeugter Verfechter der Vorrangstellung von Zazen. Im Jahr 1414, als Ikkyū 21 Jahre alt war, starb Ken’o. Ikkyū führte die Bestattungsriten durch und fastete sieben Tage lang. In seiner Verzweiflung versuchte Ikkyū, sich das Leben zu nehmen, indem er sich im Biwa-See ertränken wollte, wurde jedoch von einem Diener seiner Mutter vom Ufer aus davon abgehalten.
Ikkyū fand bald einen neuen Lehrer in einem Meister namens Kaso im Zenko-an, einem Nebentempel des Daitoku-ji. Kaso ähnelte in seinem Stil sehr Ken’o. Jahrelang arbeitete er fleißig an den ihm zugewiesenen Kōan und fertigte Puppen für einen örtlichen Kaufmann in Kyoto an. Im Jahr 1418 erhielt Ikkyū den Fall 15 aus dem Mumonkan („Das torlose Tor“, eine berühmte Sammlung von 49 Kōan), bekannt als „Tozans drei Schläge“, der beschreibt, wie Tozan Erleuchtung erlangte, als Ummon ihn dafür zurechtwies, dass er von einem Kloster zum nächsten wanderte. Eines Tages trat eine Gruppe blinder Sänger im Tempel auf, und Ikkyū gelangte, während er ganz in die Musik vertieft war, zur Einsicht in sein Kōan. In Anerkennung seiner Einsicht verlieh Kaso Shuken den Dharma-Namen Ikkyū, was so viel wie „Eine Pause“ bedeutet.
Im Jahr 1420 meditierte Ikkyū in einem Boot auf dem Biwa-See, als der Ruf einer Krähe bei ihm Satori auslöste. Als Ikkyū Kasō von seiner Erfahrung berichtete, antwortete Kasō: „Das ist die Erleuchtung eines bloßen Arhat, du bist noch kein Meister.“
Ikkyū erwiderte: „Dann bin ich gerne ein Arhat, denn ich verabscheue Meister.“ Daraufhin erklärte Kasō: „Ha, jetzt bist du wirklich ein Meister.“
Kasō bestätigte Ikkyūs große Erleuchtung und verlieh ihm inka. Als ihm jedoch sein inka überreicht wurde, warf Ikkyū es zu Boden und stapfte davon. Kasō behielt das inka zur sicheren Aufbewahrung, doch als Ikkyū davon erfuhr, zerriss er es in Stücke. Später, als seine Schüler es wieder zusammengesetzt hatten, verbrannte Ikkyū es vollständig
Ikkyū sah sich mit der Eifersucht von Yoso konfrontiert, einem älteren Schüler, der schließlich die Leitung des Klosters übernahm. In Ikkyūs Gedichten erscheint Yoso als eine Figur, die auf ungesunde Weise von materiellen Gütern besessen ist und das Zen verkaufte, um den Wohlstand des Tempels zu mehren.

Ikkyu
In der späten Muromachi-Zeit (15. Jahrhundert) stand Kyoto unter Beschuss. Einer der beliebtesten Zen-Priester, Soujun Ikkyu, wurde in diesem von Beschuss, zahlreichen Naturkatastrophen und Unruhen geprägten Kyoto geboren. Sein Ruf wuchs durch seine erleuchteten Gedanken und sein Wirken; außerdem wurde er der 48. Oberpriester des Daitoku-ji-Tempels.
Sein Zen-Stil war sehr einzigartig, da er – obwohl er Priester war – ein Schwert trug. Wenn er das Schwert aus der Scheide zog, entpuppte es sich jedoch als hölzernes Übungsschwert. Ikkyu sagte: „Wie gut es auch immer ‚aussieht‘ – es hat keine Bedeutung, wenn dem ‚Aussehen‘ kein Inhalt folgt.“
Jeden Neujahrstag zog er durch die Städte, wobei er einen menschlichen Schädel auf seinen Hut setzte, und er sagte auch: „Die Neujahrsdekoration ist zugleich das jährliche Zeichen für den Weg zum Tod (das Älterwerden); Nachdenken ist gut, aber zu viel davon ist nicht gut.“
Viele einfache Leute wurden aufgrund seiner Einzigartigkeit zu Anhängern von Ikkyu. Juko Murata Juko (auch Shuko) war die bekannteste Persönlichkeit, die von Ikkyus Zen inspiriert wurde; er wurde Ikkyus Schüler, um dessen Zen zu erlernen. Jukos Inspiration führte zu einem Paradigmenwechsel in der Teezeremonie, die zuvor als extravagant und luxuriös galt. Er erklärte, dass in zerbrochenen oder unscheinbaren Teegeschirren viel mehr innere spirituelle Schönheit zu finden sei – dies wurde zum Ursprung des Wertes von Wabicha.
In der darauf folgenden Momoyama-Zeit (1568–1615) wurde Sen Rikyu (1522–1591), ein Teemeister aus der Handelsstadt Sakai in Osaka, zur führenden Persönlichkeit in der Welt des Tees. Sen Rikyu war der Teeberater des Shoguns Toyotomi Hideyoshi. Während Hideyoshi einen sehr aufwendigen, prunkvollen Teestil bevorzugte, fühlte sich Sen Rikyu zu einem ruhigen, bescheidenen Teestil hingezogen. Sen Rikyu vereinfachte das für die Teezeremonie verwendete Geschirr und schuf eine Reihe von Abläufen für die Zubereitung des Tees. Sen Rikyus zurückhaltende Ästhetik in Verbindung mit den festgelegten Regeln für die Zubereitung und den Genuss des Tees prägten schließlich den Stil der Teezeremonie, wie er heute im Chanoyu gepflegt wird.